Unangenehme Gefühle – können die weg?

8. Juni 2018

Sind unangenehme Gefühle für irgendetwas gut?

Wir kennen sie vermutlich alle – Gefühle, die ätzend sind. Ich persönlich finde z.B. echt unangenehm, wenn ich mich doll ärgere, schäme, frustriert bin, Angst habe, körperlichen oder seelischen Schmerz empfinde. Und wenn ich erstmal drüber nachdenke, dann sind da noch viel mehr: Hilflosigkeit, Hin- und Her Gerissenheit, Unruhe, Unsicherheit, Eifersucht, Anspannung, Zweifel, Misstrauen, Desinteresse, Langeweile, Einsamkeit, Enttäuschung, Gereiztheit, Entmutigung, Unzufriedenheit, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, Deprimiertheit, Gleichgültigkeit, Leere, Ohnmacht, Trauer usw.

Puh – echt eine lange und noch nicht einmal vollständige Liste unangenehmer Gefühlszustände. Viele Menschen versuchen diese Gefühle zu ignorieren und unterdrücken.

Aber ist das sinnvoll?

Was geschieht, wenn wir Gefühle ignorieren und unterdrücken? Und wieso gibt es eigentlich angenehme und unangenehme Gefühle? Weshalb unterscheiden wir überhaupt zwischen positiven und negativen Gefühlen?

Folge ignorierter und unterdrückter Gefühle können psychische und psychosomatische Erkrankungen sein.

Wieso? Gefühle, die nicht gelebt werden kehren in der Regel immer wieder. Das bedeutet, sie machen sich immer wieder bemerkbar und werden dabei oftmals auch stetig stärker.

Werfen wir einen Blick in unsere Gesellschaft, so zeigt sich u.a., dass das Risiko irgendwann im Leben einmal an einer psychischen Störung zu erkranken, auf über 50% geschätzt wird. So sind jährlich knapp 28% der erwachsenen Allgemeinbevölkerung in Deutschland von einer psychischen Störung betroffen. 3,6% z.B. von einer Zwangsstörung, 2,3% von einer Belastungsstörung, 4% an einer Agoraphobie (Angststörung), 2,6% von einer psychotischen Störung und 8,2% von einer depressiven Störung usw. Psychische Erkrankungen sind die 2. häufigste Ursache für Fehltage im Arbeitsleben und die Hauptursache für Frühverrentungen – um mal ein paar Zahlen zu nennen.

Verstehen wir unsere Gefühle ganz generell als Hinweise unseres Körpers, so zeigen uns angenehme Gefühle, dass wir gerade genug von etwas haben (erfülltes Bedürfnis) und unangenehme Gefühle, dass wir etwas brauchen (unerfüllte Bedürfnisse).

Dass wir unsere Gefühle als positiv oder negativ bezeichnen liegt an der Art unserer Gesellschaft und dadurch in unserer Erziehung und Sozialisation begraben: Sätze wie „Du brauchst doch nicht traurig zu sein/ Angst zu haben!“, „Hör auf herumzuschreien! Das macht man nicht!“, „Ist doch nicht so schlimm!“ u.a. lassen uns lernen, dass Gefühle wie Wut, Sorge, Trauer und/oder Schmerz keinen Platz haben und unerwünscht sind. Also glauben wir, sie wären schlecht und schenken ihnen immer weniger unserer Aufmerksamkeit. Sind wir fröhlich, hören wir hingegen Sätze wie „Ach, was bist Du für ein nettes Kind!“ „So ein fröhlicher Mensch.“ Wir erleben, dass Freude und Fröhlichkeit etwas Gutes ist. Auf diese Weise lernen wir, einige Gefühle zu ignorieren und unterdrücken und es entsteht in uns der Glaube, es gäbe positive und negative Gefühle. Leider!

Fazit:

Es ist weder sinnvoll, noch förderlich für unsere Gesundheit, wenn wir versuchen, unangenehme Gefühle nicht zu haben. Sie wollen uns nichts Schlechtes, sondern lediglich aufmerksam darauf machen, was wir gerade brauchen. Diese Art von Brauchen ist universell und hat nichts damit zu tun, dass wir bedürftig und schwach sind. Nein, diese Art von Brauchen ist unser Lebensantrieb, den wir Menschen alle gemeinsam haben. Wir brauchen alle Sicherheit und Zuversicht. Vertrauen und Orientierung. Verbundenheit und Akzeptanz. Respekt und Verständnis. Freiheit und Freiwilligkeit. Anregung und Wirksamkeit. Harmonie und Gleichgewicht. Fürsorge und Unterstützung. Sinn und Verständigung. Unterhaltung und Erholung. Und um für all diese, unser Leben antreibenden, Bedürfnisse sorgen zu können, verursachen unsere Bedürfnisse unsere Gefühle in uns. Nur mit dem Ziel uns zu zeigen, was wir brauchen – können da Gefühle gut oder schlecht sein? Nein!